Sachsen-AnhaltViele junge Angler in Sachsen-Anhalt – Gewässer leiden

Der Landesanglerverband gewinnt Mitglieder, darunter viele Kinder und Jugendliche. Aber das Hobby wird durch Fischsterben, Niedrigwasser und steigende Belastung der Gewässer bedroht.
Halle (dpa/sa) - In Sachsen-Anhalt wird Angeln zunehmend beliebter. Aber wer angelt, braucht Zeit. "Für viele Jugendliche liegt gerade darin ein Reiz", sagt Anja von der Molen, Geschäftsführerin des Landesanglerverbandes Sachsen-Anhalt. "Die Jugend ist vermutlich auch erschöpft von den digitalen Medien und da ist der Wunsch vorhanden, mal rauszukommen und in der Natur etwas zu machen."
In Sachsen-Anhalt gibt es nach Verbandsangaben rund 60.000 Angler, davon sind 48.272 im Landesanglerverband organisiert. Rund zwölf Prozent der Verbandsmitglieder sind zwischen acht und 18 Jahre alt. 2025 kamen 1.021 neue Mitglieder hinzu, darunter 511 Kinder und Jugendliche.
Doch im Verein geht es nicht nur um den einsamen Platz am Ufer. Viele Angler suchen das Naturerlebnis, andere die Gemeinschaft. "Viele suchen im Verein Geselligkeit und ein Wir-Gefühl, tauschen Erfahrungen aus, grillen und erzählen "Anglerlatein"", sagt von der Molen. "Das Motto des Verbands lautet: "Angeln verbindet." Herkunft, Sprache, Alter oder Religion spielen dabei keine Rolle."
Wer angeln will, muss Prüfung ablegen
Mitmachen kann dennoch nicht jeder ohne Weiteres. Wer angeln möchte, muss einen Lehrgang von rund 30 Stunden absolvieren und eine Prüfung ablegen. Dazu kommen Geduld, Interesse an der Natur und die Bereitschaft, einen gefangenen Fisch zu töten und gegebenenfalls zuzubereiten. "Das ist wahrscheinlich nicht etwas für jeden", sagt die Geschäftsführerin.
Im Herbst wird auf Hecht, Zander und Barsch geangelt. Auch Karpfen und Friedfische wie Rotauge und Brasse werden gefangen, besonders so lange das Wasser nicht stark abgekühlt ist. Im Winter bleiben Hecht und Zander interessant; an geeigneten Flussabschnitten kommt die Quappe hinzu. Bachforellen sind vom 15. September bis zum 31. März geschont, für Äschen beginnt die Schonzeit am 1. Dezember.
Klimaerwärmung erhöht den Druck auf die Fischbestände
Der Landesanglerverband betreut nach eigenen Angaben rund 1.200 Gewässer mit einer Gesamtfläche von 12.500 Hektar. "Der Klimawandel setzt diesen Lebensräumen zu", sagt von der Molen. "Wärmeres Wasser kann weniger Sauerstoff binden; zudem gibt es Niedrigwasserphasen, etwa an der Elbe. Die Lebensräume werden kleiner und wärmer, das erhöht den Druck auf die Fischbestände."
In diesem Jahr gab es in verschiedenen Gewässern Sachsen-Anhalts zahlreiche Hechtsterben, berichtet die Geschäftsführerin. Der Verband hatte deshalb dazu aufgerufen, im Sommer auf das Hechtangeln zu verzichten, um die Fische nicht zusätzlich zu stressen. Viele Vereine sperrten Gewässer zum Schutz der Fische.
Belastung der Gewässer ist gestiegen
"Auch die Belastung der Gewässer ist gestiegen", sagt von der Molen. "Ein Grund sind Einleitgenehmigungen mit Grenzwerten, die teils vor 15 oder 20 Jahren festgelegt wurden. Damals gab es mehr Wasser, jetzt führen dieselben eingeleiteten Konzentrationen zu einer höheren Belastung. Der Verband regt an, die Genehmigungen anzupassen.
Als besonders gefährdet durch die Erwärmung nannte von der Molen Forelle und Äsche. Der Wels profitiert dagegen von wärmerem Wasser und kann riesengroß werden. Auch Karpfen mögen warme Bedingungen.