Der Börsen-Tag

Der Börsen-Tag"Blaue Welle" wird zum KI-Damoklesschwert

02.11.2026, 06:00 Uhr

Die US-Zwischenwahlen, eine Flut von Unternehmensbilanzen und der monatliche US-Arbeitsmarktbericht werden die Börsen in dieser Woche auf die Probe stellen. In der alten Woche beflügelten starke Firmenergebnisse den Dax, der am Freitag mit 25.818 Punkten schloss - ein Wochenplus von rund 2,5 Prozent. Bei den großen Tech-Konzernen an der Wall Street standen die Zeichen wegen hoher Barmittelabflüsse und zuletzt enttäuschender Wachstumszahlen allerdings auf Sturm. "Die Anleger blicken nun wieder deutlich kritischer auf die Zahlen der KI-Giganten und scheinen nervös zu werden", erklären die Strategen der LBBW.

Auch die anhaltend hohen Ölpreise könnten zum Bremsklotz für die Aktienmärkte werden. Im Oktober steuerte der über der Marke von 100 Dollar liegende Preis für US-Leichtöl WTI auf einen Anstieg von rund vierzehn Prozent zu. Ein erneuter US-Militärschlag gegen den Iran nach den Zwischenwahlen würde hier "im wahrsten Sinne des Wortes weiteres Öl ins Feuer gießen", heißt es bei der LBBW.

Zur Halbzeit der zweiten Präsidentschaft von Donald Trump wird am Dienstag entschieden, ob seine Republikaner ihre knappen Mehrheiten in beiden Kongresskammern verteidigen können. Zur Wahl stehen das gesamte Repräsentantenhaus und gut ein Drittel des Senats. Die Demokraten benötigen in beiden Kammern jeweils vier zusätzliche Sitze, um die Kontrolle zu übernehmen. Die Umfragewerte für Trump sind angesichts steigender Lebenshaltungskosten und eines erbitterten Streits über die Zuwanderung stark gefallen.

Investoren bereiten sich auf zunehmenden Widerstand gegen Rechenzentren vor, deren Auswirkungen auf Energiekosten und Umwelt auf starken öffentlichen Widerstand stoßen. Ein Sieg der Demokraten dürfte zu einer strengeren Regulierung führen. "Sollte es zu einer deutlichen 'blauen Welle' zugunsten der Demokraten kommen, wird dies als negativ für die KI-Titel, für die Technologiebranche im Allgemeinen und vielleicht sogar für den Gesamtmarkt gewertet", sagt Rick Meckler von Cherry Lane Investments.

Einigen Experten zufolge besteht die Gefahr, dass Trump und seine Partei eine Niederlage nicht akzeptieren könnten. Stattdessen könnten sie versuchen, Wahlergebnisse zu manipulieren oder das Zusammentreten des Repräsentantenhauses zu verhindern - als Folge drohten dann Klagen und Demonstrationen. Ein solches Szenario habe nur eine geringe Wahrscheinlichkeit, sei aber nicht ganz auszuschließen, erklären die Commerzbank-Ökonomen.

Die komplette Terminvorschau für diese Woche finden Sie hier.

Quelle: ntv.de