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Baden-WürttembergKinder zu Suizid gedrängt? 19-Jähriger in U-Haft

02.11.2026, 13:36 Uhr
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Weil er online versucht haben soll, zwei Minderjährige in den Suizid zu treiben, sitzt ein 19-Jähriger in Untersuchungshaft. Er soll Teil eines sadistischen Netzwerks sein.

Karlsruhe/Konstanz (dpa/lsw) - Ermittler im Südwesten gehen erneut gegen ein Netzwerk sogenannter Online-Sadisten vor. Wegen des Verdachts des versuchten Mordes in zwei Fällen sitzt ein 19-Jähriger aus dem Landkreis Tuttlingen in Untersuchungshaft. Der Deutsche soll eine im Internet aktive Sadisten-Gruppe aus dem sogenannten COM-Netzwerk gegründet haben und bis zuletzt in ihr aktiv gewesen sein, wie das Cybercrime-Zentrum Baden-Württemberg (CCZ) und das Polizeipräsidium Konstanz mitteilten.

Konkret soll der 19-Jährige gemeinsam mit weiteren Beteiligten versucht haben, über Streamingdienste ein Kind und in einem weiteren Fall eine Jugendliche in den Suizid zu treiben. Dabei sei es bereits zu lebensbedrohlichen Handlungen auf Opferseite gekommen. Die Jugendliche hält sich demnach im Ausland auf, das Kind wurde bislang nicht identifiziert. Außerdem soll der Beschuldigte in drei Fällen Mädchen zwischen 12 und 15 Jahren zu Selbstverletzungen getrieben und ein 13 Jahre altes Mädchen aus Deutschland zur Übersendung von Nacktaufnahmen veranlasst haben.

Opfer hätten bereits lebensbedrohlich gehandelt

Spezialkräfte der Polizei nahmen ihn am frühen Morgen per Haftbefehl fest. Dem Verdächtigen werde zudem gefährliche Körperverletzung sowie die Gründung einer kriminellen Vereinigung und die Mitgliedschaft in ihr als Rädelsführer vorgeworfen. Die Mitglieder der Gruppe sollen gezielt Kinder und Jugendliche im Internet kontaktiert und sie durch Zwang, Täuschung oder Drohung zu Selbstverletzungen bis hin zum Suizid oder zur Übersendung von Nacktbildern gedrängt haben. Die Taten sollen sie sich per Livestream oder Video übermitteln lassen haben.

Zeitgleich zur Festnahme wurden dem CCZ zufolge fünf Objekte durchsucht. Die Ermittler stellten elektronische Beweismittel sicher, die nun ausgewertet werden.

Anklage gegen 17-Jährigen aus dem Kreis Ludwigsburg

Erst vor wenigen Wochen hatte das CCZ einen weiteren Fall aus der Szene vorangebracht: Rund ein Jahr nach der Festnahme erhob es Anklage gegen einen 17-Jährigen aus dem Landkreis Ludwigsburg. Ihm werden zum Teil schwerer sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, die Herstellung kinder- und jugendpornografischer Inhalte, gefährliche Körperverletzung in mittelbarer Täterschaft und die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Der damals 16-Jährige war im Oktober 2025 festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Der Jugendliche soll im Frühjahr 2025 Mitglied einer sadistischen Splittergruppe des Netzwerks "764" namens "Nefarious Maniac Cult" (NMK) und als Rekrutierer tätig gewesen sein. Die Mitglieder suchten sich die Opfer demnach in Online-Spielen oder sozialen Medien. Durch den Aufbau einer scheinbaren Freundschaft oder romantischen Beziehung sollten sie Vertrauen gewinnen und dann etwa intime Bilder schicken. Später seien sie zu Selbstverletzungen gezwungen worden, die sie filmen oder fotografieren sollten. Die Aufnahmen seien als Trophäen in internen Chatkanälen geteilt worden.

Dem 17-Jährigen wird vorgeworfen, in mindestens zwölf Fällen Kontakt zu potenziellen Opfern gesucht zu haben. In sechs Fällen sei es zu erheblichen Selbstverletzungen und in vier Fällen zu sexuellen Handlungen gekommen. Die identifizierten Opfer waren demnach zwischen 12 und 16 Jahre alt und leben im Ausland.

Bezüge zum Fall "White Tiger"

Zum Netzwerk "764" soll auch der im Juni in Hamburg festgenommene Deutsch-Iraner gehört haben, der als "White Tiger" bekannt wurde. Der 21-Jährige soll Kopf einer Gruppe sein, die zahlreiche Kinder im Internet sexuell missbraucht und gequält hat. Unter anderem soll er einen 13 Jahre alten US-Amerikaner in den Suizid getrieben haben. Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat ihn unter anderem wegen Mordes angeklagt.

Quelle: dpa

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