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HessenForscher: Krawalle enorme Belastung für "Gen Z regelt"

02.11.2026, 13:31 Uhr
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Tausende Menschen gehen für mehr Investitionen in Bildung und Gesundheit auf die Straße. Es kommt zu Krawallen. Aber wie kommt es zu einer solchen Gewalt?

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Nach den Krawallen und Plünderungen in Frankfurt hat der Jugendforscher Klaus Hurrelmann davor gewarnt, dass die politischen Anliegen der jungen Generation von Gewalttätern gekapert werden. Für die sich neu formierende politische Jugendbewegung seien die Ausschreitungen eine enorme Belastung, sagte Hurrelmann. "Sie läuft Gefahr, dass ihre berechtigten politischen Anliegen durch Gewalttäter überlagert, missbraucht und in der öffentlichen Wahrnehmung diskreditiert werden", erklärte Hurrelmann.

Zugleich sei die Politik gefordert, genau zu unterscheiden. "Wer friedlich für die Interessen der jungen Generation demonstriert, darf nicht mit denen gleichgesetzt werden, die Gewalt ausüben und Geschäfte plündern."

Sind solche Gewaltausbrüche geplant oder spontan?

Beides ist Hurrelmann zufolge möglich. "Solche Ausschreitungen können von einzelnen Gruppen gezielt vorbereitet werden, sie können aber auch aus einer aufgeheizten Situation heraus entstehen und sich durch gruppendynamische Prozesse verstärken." Entscheidend sei, zwischen den politischen Demonstrationen und den Gewalthandlungen zu unterscheiden.

Die Organisatoren der Bewegung "Gen Z regelt" hätten sich ausdrücklich von Gewalt distanziert. "Ob und in welcher Weise es überhaupt Verbindungen zwischen den Demonstrierenden und den Gewalttätern gibt, muss erst noch geklärt werden."

Wer waren die Leute, die Krawall gemacht haben?

"Meine Vermutung ist, dass wir es mit ganz unterschiedlichen Gruppen junger Menschen zu tun haben. Die politische Bewegung artikuliert vor allem das Gefühl einer generationellen Benachteiligung", sagte Hurrelmann. Viele junge Menschen würden erleben, dass ihre Zukunftschancen eingeschränkt seien und ihre Interessen in der Politik zu wenig berücksichtigt würden. "Bei den Gewalttätern erkenne ich dagegen bisher keine Hinweise auf eine vergleichbare politische Motivation. Es wäre deshalb voreilig, beide Gruppen in einen Topf zu werfen."

Wie kann es zu einer solchen Enthemmung kommen?

"Gerade in größeren Gruppen können sich Dynamiken entwickeln, bei denen persönliche Hemmschwellen sinken", sagte Hurrelmann. Einzelne würde mit Provokationen oder Gewalt beginnen, andere würden sich anschließen. Das Gefühl, in der Masse anonym zu bleiben, könne die Bereitschaft zu Grenzüberschreitungen zusätzlich verstärken - solche Mechanismen seien aus der Jugend- und Gewaltforschung bekannt. "Sie erklären allerdings nicht, warum bestimmte Personen gewalttätig werden. Dafür müssen die konkreten Hintergründe der Beteiligten untersucht werden."

Wie ist die Aussage einzuordnen, "Chaoten aus dem migrantischen Milieu" seien beteiligt gewesen?

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte im Zusammenhang mit den Ausschreitungen nach Jugend-Demonstrationen am Wochenende unter anderem von "Chaoten aus dem migrantischen Milieu" gesprochen. Forscher Hurrelmann sagte dazu: "Eine solche pauschale Zuordnung halte ich für problematisch. Solange wir nicht wissen, wer die Gewalttäter sind und welche Motive sie haben, sollten wir mit politischen und ethnischen Zuschreibungen äußerst vorsichtig sein."

Vor allem dürfe man nicht den Eindruck erwecken, die neue politische Bewegung der jungen Generation sei für diese Gewaltexzesse verantwortlich. "Nach allem, was bisher erkennbar ist, entsprechen solche Gewalthandlungen gerade nicht ihren politischen Vorstellungen."

Quelle: dpa

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