Sachsen-AnhaltStaatsanwaltschaft ermittelt gegen fünf Soldaten

Vergangenen Monat waren Vorwürfe sexualisierten Fehlverhaltens in der Kaserne Weißenfels bekanntgeworden. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft. Wie der Stand der Ermittlungen ist.
Weißenfels/Naumburg (dpa/sa) - Die Staatsanwaltschaft Halle ermittelt gegen fünf Soldaten des Sanitätsregiments 1 der Bundeswehr in Weißenfels wegen Vorwürfen des sexualisierten Fehlverhaltens und wegen möglicher Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz. Die Bundeswehr hat die Verfahren gegen fünf männliche Beschuldigte formell abgegeben, bestätigte die zuständige Zweigstelle Naumburg auf dpa-Anfrage. Das Verfahren stehe noch ganz am Anfang, sagte ein Sprecher.
Die fünf Beschuldigten sind den Angaben nach zwischen 36 und 46 Jahre alt. Sie sollen als Vorgesetzte oder Ausbilder in einem Überordnungsverhältnis zu den mutmaßlich betroffenen Rekrutinnen gestanden haben. Bislang liegen den Ermittlern in Naumburg nur Vernehmungen vor, die die Bundeswehr selbst durchgeführt hat. Die Staatsanwaltschaft will nun weitere Beweismittel anfordern.
Die bisherigen Aussagen deuteten eher auf freiwillige Handlungen hin, die aber wegen des Machtgefälles problematisch und strafrechtlich relevant sein könnten, so der Sprecher weiter. Medienberichten zufolge hatte es auch Durchsuchungen in der Kaserne in Weißenfels gegeben. Neben sexualisiertem Fehlverhalten sollen demnach auch mutmaßlicher Drogenhandel mit Dopingsubstanzen wie Testosteron und Vorwürfe von Bedrohungen im Raum stehen.
Beschuldigte dürfen laut Bundeswehr Kaserne nicht betreten
Im vergangenen Monat waren die Vorwürfe zu den Vorfällen in der Kaserne bekanntgeworden. Im Zentrum der Ermittlungen steht nach Angaben des Unterstützungskommandos der Bundeswehr eine Ausbildungseinheit des Sanitätsdienstes.
Demnach soll Führungspersonal der Einheit ein Klima geschaffen haben, das Dienstvergehen, Grenzüberschreitungen und sexualisiertes Fehlverhalten begünstigt hat. Es seien vorläufig Kasernenbetretungsverbote und Verbote der Dienstausübung ausgesprochen worden. Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte Aufklärung versprochen. Sollten sich die Vorfälle bestätigen, "wäre das widerwärtig", sagte der SPD-Politiker.
Ob Straftatbestände infrage kommen, sei aufgrund des frühen Ermittlungsstadiums noch offen, so die Staatsanwaltschaft. Unklar sei bislang auch, ob eine Betroffene zur Tatzeit minderjährig war. Disziplinarrechtliche Schritte gegen die Beschuldigten liegen bei der Bundeswehr.